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Abschnitt 4 (Block 1): Diskriminierung & Intersektionalität

Einführung

Diskriminierung hat etwas mit der Unterscheidung von Menschen zu tun. Die Kategorisierung von Menschen führt oftmals schon zu einer Auf- und Abwertung der beschriebenen Person und begünstigt diskriminierende Strukturen und Praktiken. Im Falle einer Abwertung führt das für die Betroffenen häufig zu einer nachteiligen Behandlung, einem ungleichen Zugang zu bestimmten Ressourcen, Sozialräumen, Schulbildung und der Arbeitswelt. Da Diskriminierungen in gesellschaftspolitische Machtverhältnisse eingebettet sind, entscheidet die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe darüber, ob ein Mensch sich in einer machtvollen oder weniger machtvollen Position befindet. Bei Diskriminierungsformen handelt es sich auch um Herrschaftsverhältnisse, die zusammenwirken und sich bestärken, aber teilweise nicht ganz ineinander aufgehen. Diese Systeme von Unterdrückung sind Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte lang gewachsen und deshalb tief in unserer Welt verwurzelt.


Was ist eigentlich Diskriminierung?

Ein Fernseher, auf dessen Bildschirm ein Countdown zu sehen ist der auf

Film ab

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  • Spielen bestimmte Differenzkategorien in deinen Überlegungen zu dir selbst und anderen Personen eine Rolle?
  • Welche Kategorien sind veränderbar und welche sind statisch? Was bewirkt dies?
  • Inwieweit können die Kategorien Personen als diskriminiert oder nicht diskriminiert erscheinen lassen?

“Sometimes, I feel discriminated against, but it does not make me angry. It merely astonishes me. How can any deny themselves the pleasure of my company? It’s beyond me.”

― ZORA NEALE HURSTON


FORMEN der DISKRIMINIERUNG

Diskriminierungsformen
Diskriminierungsformen
AbleismusAgeismus Islam-feindlichkeitAntisemitismusAdultismusQueer-feindlichkeitRassismusNationalismusSexismusKlassismusText is not SVG – cannot display

@AG KGGU


Welche Formen der Diskriminierung kennst Du?

Klicke eine Kategorie an, um die Definitionen zu sehen (Du wirst direkt ins Glossar weitergeleitet).



Das Icon zeigt eine Teekanne, aus der viele Konfetti herausspringen.

Reflexion

Dies ist ein Anreiz zur Reflexion.

Reflexion

  • Fallen dir Beispiele für Diskriminierung im Alltag ein?
  • Welche Wirkung hat Diskriminierung?
  • Was unterscheidet die privilegierten von den diskriminierten Gruppen?

Diskriminierung und Privilegien

Diskriminierungen erfolgen bewusst und auch unbewusst. Diskriminierungen stehen in einem engen Zusammenhang mit Privilegien, die als machtvolle Handlungsmöglichkeiten verstanden werden. Privilegierte Personen sind zwar nicht unbedingt verantwortlich für Diskriminierung, aber sie profitieren vom Ausschluss anderer Gruppen. Sie genießen Vorteile und Zugänge, wo Andere zurückbleiben, oder benachteiligt werden. Privilegierung erzeugt immer auch Benachteiligung.

„Ein Privileg ist ein Recht, ein Vorteil oder eine Sicherheit, die ein Mensch aufgrund einer (zugeschriebenen) Zugehörigkeit zu einer Gruppe bekommt. Gleichzeitig bleibt diese Person aufgrund dieses Privilegs von bestimmten Belastungen und Diskriminierungen verschont. Privilegien beruhen auf historisch gewachsenen, institutionalisierten Systemen – wie beispielsweise Sexismus oder Rassismus.“

Quix kollektiv für kritische Bildungsarbeit

Das Problem bei Privilegien ist, dass sie für Menschen, die sie besitzen meist unsichtbar sind.


Das runde Icon zeigt eine Hand, die einen Stift hält und schreibt.

Aufgabe

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Aufgabe

Was haben Privilegien mit Diskriminierung zu tun?


Intersektionalität

Jeder Mensch hat eine Vorstellung von sich selbst – die sogenannte Selbstwahrnehmung. Jede Person hat ein Geschlecht, eine sexuelle Identität, einen ethnischen Hintergrund, einen Gesundheitsstatus, ein Alter etc., kurz: eine aus verschiedenen Aspekten zusammenwirkende, vielschichtige (= intersektionelle) Identität. Wie eine Person sich selbst erlebt und wahrnimmt bzw. von anderen wahrgenommen wird, ist situations- und kontextabhängig. Es gibt viele Situationen, in denen es nicht möglich ist zu sagen, ob eine Person wegen des Geschlechts, der Religion, der sexuellen Identität oder des Alters diskriminiert wird. Auch hier prägt das Zusammenfallen von Diversitäts-Dimensionen die Realität von Menschen. Man spricht in diesem Fall von Mehrfachdiskriminierung, weil Diskriminierungen aufgrund verschiedener Dimensionen auf dieselbe Person einwirken. Aber nicht alle Kategorien werden immer gleichwertig und gleichberechtigt von der Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen.


Zur Geschichte der Intersektionalität


Strassenkreuzung
@Pixabay

Diskriminierung wirkt nie allein, sondern ist neben race, class, gender immer verbunden mit anderen Differenzen, darunter Einkommen, Bildungsstand, Behinderung, Herkunft, sexuelle Orientierung, Wohnort, sprachliche Kompetenzen, Alter, Religion, Staatsbürgerschaft, Familienstand und weitere. Entlang all dieser Differenzlinien gibt es eher privilegierte/eher weniger privilegierte Positionierungen und Erfahrungen. Der Begriff der Intersektionalität beschreibt eine Form der Mehrfachdiskriminierung und verdeutlicht, dass soziale Kategorien wie Gender, Ethnizität oder Nation nicht isoliert voneinander auftauchen, sondern dass sie gleichzeitig auftreten, miteinander verwoben und ineinnander verschränkt sind. Diese Überkreuzungen, auch intersections genannt, müssen betrachtet werden.



Der Ursprung von Intersektionalität liegt in den sogenannten Black Feminism-Bewegungen und hängt deshalb mit rassismuskritischen Ansätzen zusammen. Dabei stehen vor allem feministische Ansätze von Women of Color im Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung. So drückte die ehemalige Schwarze Sklavin Sojourner Truth

@Olive Gilbert

bereits im Jahr 1851 mit ihrer Frage „Ain’t I a woman?“ die Komplexität gegenwärtiger Kontroversen in Bezug auf feministische Theorie und Praxis aus. Truth verwies in ihrer Rede auf der Women’s Convention in Akron/Ohio auf die Einschränkung durch die Universalisierung einer einseitigen Vorstellung von Geschlecht. Dabei hob sie hervor, dass dieses nicht als unabhängig von anderen machtvollen Ungleichheitskategorien zu verstehen sei und wies auf die Verwobenheit der Kämpfe gegen Sexismus, Rassismus sowie weitere Formen von Unterdrückung und Diskriminierung hin. Hier legte Truth ein bedeutendes Fundament für ein Konzept, das seit Ende der 1980er Jahre als Intersektionalität Einzug in feministische Theoriebildungen gefunden hat.


Die US-amerikanische Juristin und Professorin Kimberlé Crenshaw

Wikimedia Commons
@Mohamed Badarne (CC BY-SA 4.0)

prägte den Begriff der Intersektionalität für die Beschreibung von Diskriminie-rungskategorien, die sie mit einer Straßenkreuzung, „an der sich Machtwege kreuzen, überlagern und überschneiden“, verglich. Intersektionalität identifiziert Formen von Ungleichheit aus unter-schiedlichen, sich einander teilweise bedingenden, mehrdimensionalen Perspektiven. „Schwarze“ Feminist*innen hinterfragen also den universellen Charakter der Kategorie „Frau“ und heben dabei hervor, dass bei feministischen Themen lediglich die Erfahrungen weißer Frauen berücksichtigt würden. Intersektionalität bietet Möglichkeiten, komplexe und vielfältige gesellschaftliche Zusammenhänge in puncto Diskriminierung aufzuzeigen. Betrachten wir Rassismus als Untersuchungsgegenstand, so rücken Macht- bzw. Ungleichheitsverhältnisse und kolonial-rassistische Wirkungsmechanismen ins Zentrum der Analyse, die wesentliche Aspekte intersektionaler Überlegungen sind.



Kimberle Crenshaw über Intersektionalität – Video

Ein Fernseher, auf dessen Bildschirm ein Countdown zu sehen ist der auf

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Im akademischen Kontext ist Intersektionalität …

… eine Perspektive
… ein Ansatz
… ein Instrument

um unterschiedliche und komplexe Formen der Diskriminierung zu analysieren, sich diesen aber auch zu widersetzen. Dabei stellt Intersektionalität selbst eine Konstruktion sozialer, politischer und symbolischer Realität dar, deren Komplexität sich intersektionelle Analysen immer nur annähern können (Hashemi-Yekaniet al. 2008).

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