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Abschnitt 5 (Block 2): Kindheit & Jugend

Prägende Erfahrungen im jungen Alter

Mehrfach wurde in Studien nachgewiesen, dass Kinder bereits im Kindergartenalter rassistische Denkmuster verinnerlichen, die sich auf die persönlichen Selbst- und Fremdbilder auswirken. Vereinfachende und diskriminierende Stereotype begegnen Kindern und Jugendlichen in Kindergarten und Schule aber auch im Kinderzimmer. Neben Bilderbüchern, Spielzeugpuppen und Lehrbüchern transportieren auch Kostüme in der Theater-AG oder zum Karneval teils rassistische Fremdbilder. Diese frühen Begegnungen mit problematischen Bilder- und Sprachwelten führen dazu, dass sie von Kindern als normal erlernt und selten hinterfragt werden. Während weiße Kinder die negativen Konsequenzen in der Regel nicht zu spüren bekommen, müssen BIPoC Personen bereits ab der frühen Kindheit spezifische Strategien im Umgang mit verschiedenen Formen der rassistischen Diskriminierung entwickeln.


Darstellungsweisen in Kinder- und Jugendmedien

Immer häufiger sind Forderungen nach einer rassismus-sensibleren Gestaltung von Kinderbüchern zu hören. Gerade sie gelten als Quelle rassistischer Menschenbilder im Kindes- und Jugendalter, wie bekannte Beispiele, etwa die Pippi Langstrumpf-Reihe von Astrid Lindgren oder auch die Winnteou Werke von Karl May, belegen. Auch in verschiedenen Forschungsdisziplinen werden Kinderbücher daher in den letzten Jahren vermehrt untersucht. Die folgenden Beiträge dokumentieren die Forschungsergebnisse von Jennifer Adolé Akue-Dovi (Erziehungswissenschaften) und Nanny Duday (Geographie), die in ihren Arbeiten Kinderbücher bzw. Hörbücher auf rassismusrelevante Inhalte sowie – in Jennifer Adolé Akue-Dovis Fall – deren Wirkung auf Kinder und Jugendliche untersuchten.

In der frühkindlichen Entwicklung wird Weltsicht vermittelt durch Spiele, Lieder und Bilder. Es ist wichtig, diese eigenen Normalitäten kritisch zu betrachten. Ein kurzer Blick in beliebte Kinderlektüre zeigt; BIPoC Charaktere haben nicht nur kaum Platz in Kinderbüchern, sie werden zudem oft in Form diskriminierender und stereotypisierender Darstellung abgebildet.

Handreichung

Jennifer Adolé Akue-Dovi zur TKKG Hörbuchreihe

Jennifer Adolé Akue-Dovi zu der Frage, warum es wichtig ist, einen rassismuskritischen Blick auf Kinder- und Jugendmedien zu werfen. Dabei geht sie auf Ergebnisse ihrer Masterarbeit ein, die mit dem Augsburger Wissenschaftspreis 2021 für interkulturelle Studien [Förderpreis] ausgezeichnet wurde. Zur Zeit ist sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg und als Dozentin tätig.

Ein Fernseher, auf dessen Bildschirm ein Countdown zu sehen ist der auf

Film ab

Dies ist ein Video, dass die Inhalte in den Modulen ergänzt.

@Jennifer Adolé Akue-Dovi

Nanny Duday zum Buch Vimala gehört zu uns!

Nanny Duday studierte unter anderem Geographie auf Lehramt für Sonderpädagogik an der Universität Hamburg. Im folgenden Beitrag spricht sie über die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit, in welcher sie sich mit Othering-Mechanismen in Kinderbüchern anhand des Buchs Vimala gehört zu uns beschäftigte.

Ein Fernseher, auf dessen Bildschirm ein Countdown zu sehen ist der auf

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@Nanny Duday

Interessant

Die folgende Übersicht zeigt den Ausschnitt eines Miroboards, auf dem Studierende in einem Seminar problematische rassismusrelevante Inhalte in bekannten Kindergeschichten sammelten. Gerade in Grundschulen liegen diese und andere Kinder- und Jugendbücher für Schüler:innen aus. Zum Beispiel in dem Bücherregal des Klassenzimmers oder in der schuleigenen Bibliothek.

Das Icon zeigt eine Teekanne, aus der viele Konfetti herausspringen.

Reflexion

Dies ist ein Anreiz zur Reflexion.

Reflexionsaufgabe

Erinnerst du dich an Bücher, Hörspiele oder Filme aus deiner Kindheit und Jugend, die einige der bisher genannten Merkmale aufweisen? Hast du Debatten, über rassistische Inhalte und Dastellungsweisen in dir bekannten Kindergeschichten in den letzten Jahren verfolgt?


Rassismus im Klassenzimmer

Wie kann sich Rassismus in der Schule äußern?

  • INSTITUTIONELL / STRUKTURELL
  • Überproportional repräsentiertes weißes Lehrpersonal
    • Migrantische Menschen und vor allem BIPoC Personen sind hingegen an Schulen überdurchschnittlich oft als Reinigungskräfte oder Hausmeister:innen sichtbar
    • In Verbindung mit klassistischen Vorurteilen, die solche Arbeiten als weniger qualifiziert oder weniger wert erscheinen lassen, fehlt es Schüler:innen an Identifikationspersonen
  • Schulbücher und andere Lehrmaterialien enthalten stereotype, rassistische Darstellungen
  • Das Vergeben schlechter Noten trifft besonders häufig migrantische und/oder BIPoC Schüler:innen
    • Dies wirkt sich negativ auf die gesamte Bildungslaufbahn aus, indem betroffene Schüler:innen trotz gleichwertiger Leistungen keine Gymnasialempfehlung erhalten
  • Migrantische und BIPoC (vor allem auch geflüchtete) Schüler:innen werden in gesonderten Klassen unterrichtet
    • Es kommt zur sozialen Abschottung
  • Fehlende rassismuskritische Einordnung und Bearbeitung von Kolonialgeschichte und in Zuge dessen begangenen Verbrechen, aber auch Widerstandsgeschichten
  • ….
  • INDIVIDUELL
  • Namen falsch aussprechen
  • Rassistische Beleidigungen oder Bezeichnungen durch Mitschüler:innen oder dem Lehrpersonal
    • Es fehlt an Anlaufstellen und einem geeigneten Umgang (Konsequenzen oder Strafen).
    • Schüler:innen wird nicht geglaubt oder ihnen wird vorgeworfen, zu empfindlich zu reagieren
  • Durch Aufforderungen wie „Erzähl´ doch mal, wie ist das bei euch?“ werden migrantische und/oder BIPoC Schüler:innen als anders markiert
    • Besonders häufig zu Themen wie Migration oder Religion, i.d.R. negativ konnotiert
  • Die Vergabe von schlechten Noten ist häufig mit internalisierten Vorstellungen verbunden, die dazu führen, dass an migrantische und/oder BIPoC Schüler:innen niedrigere Erwartungen gestellt werden
  • Exkludieren von nicht deutschsprechenden Elternteilen, zum Beispiel bei Elternsprechtagen
    • Eine Folge: Abgabe der Verantwortung an die Schüler:innen, die für ihre Eltern übersetzen
  • ….
Das runde Icon zeigt eine Hand, die einen Stift hält und schreibt.

Aufgabe

Dies ist eine Aufgabe für Dich zum bearbeiten.

Aufgabe

Lies den Artikel Das Klassenzimmer ist kein diskriminierungsfreier Raum von Jule Bönkost und beantworte danach die folgende Frage:

  • Inwiefern ist das Klassenzimmer kein diskriminierungsfreier Raum?

Lesestoff

  • Intersektionale Kinderbuchliste von der i-PÄD Kompetenzstelle intersektionale Pädagogik
Das Icon zeigt ein gefülltes Bücherregal mit einem Schreibtisch im Vordergrund, auf dem eine Katze und ein Laptop zu sehen sind.

Lesestoff

Dies sind weiterführende Materialien, die Du am Ende jeder Seite findest.

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